Forschungsbericht zu „Entstehung, Verlauf und Struktur von Wohnungslosigkeit und Strategien zu ihrer Vermeidung und Behebung“ ist erschienen (BMAS, Forschungsbericht 534)

04.04.2020 Zwischen September 2017 und Juni 2019 hat die GISS gefördert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales die erste bundesweite Studie zur Wohnungsnotfallproblematik seit etwa 15 Jahren durchgeführt. Entstanden ist ein aktueller Gesamtüberblick über die Wohnungsnotfallproblematik und die Angebotsstruktur für Betroffene in der Bundesrepublik Deutschland.
Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Recht in Deutschland viele gute Instrumente zur Vermeidung und Behebung von Wohnungslosigkeit vorsieht, diese jedoch nicht immer und überall genutzt werden und kommunale Wohnungsnotfallhilfen häufig nicht ausreichend aufeinander abgestimmt sind. Vielerorts bedarf es insbesondere einer stärkeren Ausrichtung der Wohnungsnotfallhilfesysteme auf präventive Angebote mit einer gesicherten und frühestmöglichen Informationsweitergabe über drohende Wohnungslosigkeit sowie einer Schärfung präventiver Maßnahmen. Aber auch im Handlungsfeld der dauerhaften Wohnraumversorgung besteht ein großer Handlungsbedarf zur Verbesserung der Versorgungsmöglichkeiten von Haushalten in Wohnungsnotlagen und zum Abbau von Zugangsbarrieren zum Wohnungsmarkt. Im Bereich der ordnungsrechtlichen Unterbringung werden Unterbringungsverpflichtungen nicht vollumfänglich nachgekommen und Mindeststandards nicht selten unterschritten.
Wenngleich viele Risikofaktoren für die Entstehung einer Wohnungsnotlage identifiziert werden konnten, so sind Mietschulden und Mietzahlungsschwierigkeiten mit großem Abstand der größte Auslöser für Wohnungslosigkeit. Am Stichtag 31.05.2018 waren geschätzt zwischen 313.000 und 337.000 Menschen in Deutschland wohnungslos. Die größte Gruppe stellten wohnungslose Geflüchtete mit Schutzstatus dar. Bei der überwiegenden Mehrheit der wohnungslosen Menschen handelt es sich um alleinstehende Menschen. Bedarfsgerechte Angebote fehlen insbesondere für junge Erwachsene, eine steigende Zahl von Frauen und Familien mit minderjährigen Kindern, Menschen mit psychischen Erkrankungen und ältere Menschen sowie Haushalte mit Migrationshintergrund.
Die GISS bedankt sich bei allen Stellen und Personen, die zum Gelingen der Studie beigetragen haben.