08.04.2020 Selbstvertretung Wohnungsloser plant Positionspapier

08.04.2020 Die Selbstvertretung wohnungsloser Menschen ruft dazu auf, ihr Informationen zur gegenwärtigen Situation obdachloser und wohnungsloser Menschen zur Verfügung zu stellen. Geplant ist ein Positionspapier.
Der Aufruf der Selbstvertretung im Wortlaut:

„Aufruf zur Mitwirkung - Informationen und Positionen wohnungsloser Menschen zur Corona-Pandemie
Die Corona-Pandemie trifft wohnungslose und obdachlose Menschen und auch die Hilfeangebote weitgehend unvorbereitet. Die ergriffenen Maßnahmen - vor allem das Herunterfahren des gesellschaftlichen Lebens und die Kontaktverbote - verschärfen die Situation wohnungsloser und obdachloser Menschen erheblich. Die Selbstversorgung durch Betteln und Pfandflaschensammeln bricht zusammen, viele Tafeln und Lebensmittelausgabestellen und auch Wohnungslosenhilfeeinrichtungen und Anlaufstellen sind geschlossen oder arbeiten nur noch im Notbetrieb.

Auch die Kommunikation untereinander wird erheblich schwieriger und bricht zusammen. Menschen auf der Straße können - sofern überhaupt vorhanden - ihre Smartphones nicht mehr aufladen oder kommen nicht mehr an bislang öffentlich zugänglich Computer heran, wenn sie denn überhaupt Zugang zum Internet hatten.

Ein weiteres großes Problem sind die fehlenden Unterkünfte. Menschen auf der Straße haben praktisch keine Chance, das Kontaktverbot einzuhalten, und Menschen, die in zwangsgemeinschaftlichen Unterkünften (Kältehilfe, Kommunale Unterkünfte usw.) untergebracht sind, haben auch ein erhöhtes Risiko der Ansteckung mit dem Corona-Virus. Hinzu kommt, dass obdachlose Menschen ohnehin aufgrund ihrer Lebenssituation häufig in einer deutlich schlechteren gesundheitlichen Verfassung sind. Die Forderung noch Einzelunterbringung in Wohnungen, Hotels, Ferienwohnungen wird nur in wenigen Fällen umgesetzt.
Nach wie vor sind obdachlose Menschen gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt.

Auf der anderen Seite sind sehr viele spontane, kreative unkonventionelle Ansätze beobachtbar, obdachlose Menschen zu unterstützen. Das sollte vorangetrieben und besser verbunden, aber auch kritisch begleitet werden. Was nützt der beste Gabenzaun, wenn es keine Einzelunterbringung gibt?

Kurzum: Obdachlose und wohnungslose Menschen sind in der laufenden Corona-Pandemie ganz besonders gefährdet.

Deshalb wollen wir Informationen zur Situation obdachloser und wohnungsloser Menschen zusammentragen und sichten und daraus ein Positionspapier erarbeiten.

Wir freuen uns auf Deine Mitteilungen, Nachrichten, Berichte, Hinweise, Fotos ....
Diese Arbeiten koordiniert Stefan Schneider.
Wer sich daran beteiligen möchte hat folgende Möglichkeiten: